… über Leben und Tod
„Schwarz hören“: Hans-Joachim „Hajo“ Seppelt (170)
Als renommierter Doping-Experte mit eigener Produktionsfirma seit 2017 und langjähriger Sportjournalist beim Sender Freies Berlin (SFB) seit Mitte der 80er Jahre steht Hajo Seppelt Jahrzehnte bereits für weltweite Enthüllungen von Dopingvergehen im internationalen Sport. „Schon beim Kindersportfunk des RIAS in der zweiten Hälfte der 70er Jahre habe ich gemerkt, dass mich die Hintergründe beim Sport mehr interessieren, als die reine Berichterstattung.“ erzählt er in dieser Podcast-Episode.
Der früherer Leistungsschwimmer – 1963 in Berlin als Sohn des Westberliner Meisters und Präsident des Berliner Schachverbandes Alfred Seppelt geboren und als Kind Fan von Hertha BSC – berichtete zunächst vom Doping im DDR-Schwimmsport. Später aber auch vom „geduldeten“ Doping in der Bundesrepublik Deutschland und dann eben weltweit. „Ich muss aufklären. Das ist bei mir ein Reflex.“ sagt er und: „Ich kann nicht die Augen davor verschließen, was hinter den Kulissen des ‚Kulturereignisses Sport‘ geschieht.“
1997 hat er den ersten großen Film über Doping im Sport für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gemacht und jetzt – am späten Abend des 16. November 2026 – zeigt die ARD die Dokumentation „Geheimsache Doping: Kinder“; sechs Folgen, die schon ab 13. November 2026 in der ARD-Mediathek abrufbar sind. Das ist sein bisher größtes Projekt, für das Seppelt und sein Team sechs Jahre lang in 20 Ländern der Welt gedreht und für 50 Länder recherchiert haben. „Das riesige Ausmaß des Kinderdopings war bisher kaum erfasst: Nach neuesten Schätzungen sind weltweit mindestens zehn Millionen Minderjährige betroffen. Die kriminellen Praktiken sind in der Sportwelt seit Jahrzehnten ein Tabu. Politik und Verbände verschließen die Augen. Selbst dann, wenn Kinder sterben.“ heißt es auf der website des WDR, der verantwortlich zeichnet.
Im Oktober 2026 habe ich Hajo Seppelt, mit dem ich bereits Anfang der 90er Jahre beim Sender Freies Berlin (SFB) zusammengearbeitet habe, zu Hause in Potsdam (mit Kaffeepötten, die er aus aller Welt mitgebracht hat, im Küchenregal) besucht und mit ihm über sein Leben und – wie es sich für „Schwarz hören“ gehört – auch über den Tod gesprochen. Seine Eltern sind 2015 gestorben: seine Mutter, nachdem sie vier Jahre gegen den Krebs gekämpft hatte. „In dieser Zeit habe ich meine Mutter nochmal s o intensiv kennengelernt, wie Jahrzehnte vorher nicht.“ Sein Vater starb, nachdem er vier Monate gebraucht hatte, um zu realisieren, dass seine Frau tot ist.
Obwohl wir – wie Seppelt sagt – „in einer ‚christlich geprägten Gesellschaft‘ leben, in der der Tod s o bedeutsam ist, dass man das Ende des Lebens nicht selbst entscheiden darf.“, kann er sich für sich selbstbestimmtes Sterben vorstellen. „Das selbst zu entscheiden, muss doch jedermanns Recht sein.“
Viel Spaß mit der 170. „Schwarz hören“-Episode mit Hans-Joachim „Hajo“ Seppelt.
