… über Leben und Tod

„Schwarz hören“: Dr. Wolf Siegert (149)

„Doyen der Digitalisierung“ und „Changineer“: Diese außergewöhnlichen Charakterisierungen sind treffend für Wolf Siegert, der sich selbst auf seiner website, die übrigens deutsch, englisch, französisch und chinesisch daherkommt, als „… Kronzeuge und Konzept-Entwickler, als Moderator und strategischer Denker … zwischen analog und digital, real und virtuell, in Wirtschaft und Verwaltung wie in Kunst und Wissenschaft …“ bezeichnet.

Es ist wirklich herausfordernd, zu begreifen, was er alles getan hat und tut: Der 1949 in Bremen geborene und – nach diversen längeren Auslandsaufenthalten – nun lange schon in Berlin lebende Siegert hat in jungen Jahren Theater mit George Tabori und Rainer Werner Fassbinder gemacht, im Brecht-Archiv in Ost-Berlin über Brecht seine Doktorarbeit geschrieben, dann an der Uni Bremen promoviert und er beschäftigt sich schon seit Anfang der 70er Jahre mit virtuellen, digitalen Welten. Heute – so betont Wolf Siegert – arbeitet er, auch journalistisch, an der Frage: „Was kommt nach der Digitalisierung?“ und will Qualitäten, die in der analogen Welt entwickelt wurden, wieder aufleben lassen. „Analog 2.0“ nennt er das und analysiert „aus der Zukunftsperspektive rückwirkend“. Wie das funktioniert, erörtert er in dieser Podcast-Episode.

Neben diversen Büchern schreibt und veröffentlicht Wolf Siegert täglich, ja wirklich an jedem Tag eines jeden Jahres, einen Beitrag in seinem Blog, der – irgendwie logisch – Daybyday.press heißt. Ein Stück weit arbeitet er – auch so – wohl jetzt schon daran, alles für die Zeit nach der Digitalisierung zu „konservieren“.

Wir haben uns 2025 in seiner Wohnung in Berlin-Wilmersdorf getroffen und – wie es sich für „Schwarz hören“ gehört – übers Leben gesprochen, das – so scheint es mir – für ihn zum großen Teil von Arbeit bestimmt ist. Und natürlich war auch der Tod unser Gesprächsthema. Ihm, der an ALS erkrankt ist, hat man vor fünf Jahren noch rund drei Jahre „gegeben“; aber glücklicherweise entwickelt sich der Krankheitsverlauf bei ihm „schleppend“. Wege in der Stadt erledigt er noch immer mit dem Motorrad und ist ansonsten weiterhin auf der ganzen Welt unterwegs.

„Ich lerne mit den – auch gesundheitlichen, Herausforderungen – immer auch ein Stück weit nach vorn zu schauen.“ Und setzt noch einen drauf: „Ich gucke nicht nur bis zum Ende meines Lebens. Ich gucke darüber hinaus.“ Siegert befasst sich mit Traum-Analyse und hatte schon ein Nahtod-Erlebnis. Ja, und wenn es dann wirklich soweit ist, soll bei seiner Trauerfeier direkt in der Trauerhalle gefeiert werden …

Die nächste „Schwarz hören“-Episode – die runde 150. – gibt es schon in einer Woche nach seiner Idee mit mir. Petra Schwarz ist sozusagen zu Gast in ihrem eigenen Podcast und beantwortet Fragen von Wolf Siegert 😊.

Jetzt zunächst aber viel Spaß mit der 149 Episode von „Schwarz hören“ mit Dr. Wolf Siegert.