… über Leben und Tod

„Schwarz hören“: Pierre Sanoussi-Bliss (151)

„Vizekönig“ im „Dschungelcamp“ (RTL) 2025 und im selben Jahr „Den Rest habe ich verdrängt – Unordentliche Erinnerungen“ (Querverlag) – das sind zwei „Anlässe“ für ihn, immer wieder – wie auch in dieser Episode von „Schwarz hören“ – zu betonen: „Ich bin Ossi und schwarz.“

Einer großen Öffentlichkeit bekannt ist er aber schon, seitdem er 1997 in der ZDF-Fernsehserie „Der Alte“ für 18 Jahre die Hauptrolle des Kommissars Axel Richter übernommen hatte, bevor er – wie er hier erzählt – auf menschenunwürdige Art und Weise „rausgeschmissen“ wurde. Er beklagt, dass Schwarze in der Medien-Öffentlichkeit nicht vorkommen. „Ich wäre immer gern mal Traumschiff-Kapitän gewesen. Aber: Alles weiße Schauspieler dort in weißen Klamotten … und wenn ein Schwarzer vorkommt, dann hält er einem Passagier beim Landgang die Taxi-Tür auf.“

Pierre Sanoussi-Bliss ist mehr als ein Fernsehgesicht: Er ist Regisseur, Kinderbuchautor („Der Nix“), Hörbuchsprecher (aktuell: „Berliner Sehnsucht“ von Johannes Albendorf, erschienen im Querverlag), Aktivist und Teil der #actout-Kampagne für mehr Diversität in Kunst und Medien.

1962 in Ost-Berlin als Sohn eines westafrikanischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren, muss er sich früh mit Fragen nach Zugehörigkeit, Sichtbarkeit und Identität auseinandersetzen. Nach einer Ausbildung zum Koch studierte Pierre an der Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin und spielte zunächst Theater an renommierten Bühnen. Er war am Staatsschauspiel Dresden (1987-1990) engagiert und schnell kamen erste Film- und Fernsehrollen. 1994 hatte er in der preisgekrönten Filmkomödie „Keiner liebt mich“ von Doris Dörrie (1994) eine der Hauptrollen. Und bald macht er selbst Filme: 2016 veröffentlichte Sanoussi-Bliss seinen zweiten abendfüllenden Spielfilm „Weiber! – Schwestern teilen. Alles.“, bei dem er für die Produktion, das Drehbuch und die Regie verantwortlich zeichnet.

Seit dem Film „Coming out“ (Kino-Premiere am 9. November 1989! im „Kino International“ in Ost-Berlin) kenne ich Pierre und hatte ihn für „Schwarz hören“ schon lange „auf dem Zettel“. Aber nach einer Vorstellung von „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ kürzlich im „Theater am Frankfurter Tor“ (Intendant: Johannes Hallervorden) war klar, jetzt endlich muss es sein.

Also habe ich Pierre Sanoussi-Bliss Anfang 2026 in seiner Wohnung in Berlin-Pankow besucht und wir haben übers Leben und den Tod gesprochen. Für letzteren hat er noch keine konkreten Vorbereitungen getroffen, denkt aber durchaus darüber nach. Unlängst hat er über mehrere Jahre seine Mutter „in den Tod gepflegt“. Wie sie, will er kein übliches Grab auf dem Friedhof, sondern in einem Friedwald mit Bio-Urne begraben werden. „Ich brauche keine Stelle, an der man um mich trauert.“  Und mit der treffenden Formulierung: „Nur noch atmen, ist es nicht.“ beschreibt er seine Haltung zu einem selbstbestimmten Tod …

Viel Spaß mit der 151. Episode von „Schwarz hören“ mit Pierre Sanoussi-Bliss.